Wachau an einem Tag: Stift Melk, Dürnstein und Krems mit Schifffahrt

Die Wachau ist UNESCO-Welterbe seit 2000. Eine Tagestour von Melk bis Krems mit Schiff oder Auto lässt drei Stationen zu. Wo Aufstiege lohnen, wo Weingärten Bus statt Fußweg verdienen.

Die Wachau ist 36 Kilometer lang und an einem Tag mit Schiff oder Auto durchquerbar. Drei Stationen reichen, wenn man nicht jedes Weingut probiert: Melk im Westen, Dürnstein in der Mitte, Krems im Osten. Wer mehr will, plant zwei Tage und übernachtet in Spitz oder Weißenkirchen.

Warum die Wachau Welterbe ist

UNESCO hat die Region 2000 als Kulturlandschaft anerkannt. Das ist eine andere Kategorie als “Architektur” oder “Naturlandschaft” - es geht um das Zusammenspiel aus Donau, Trockenrasen, Weinterrassen, Marillenhainen, Burgen und Stiften. Wer durch die Wachau fährt, sieht keinen Park, sondern eine seit dem Mittelalter bearbeitete Landschaft, die in dieser Dichte in Europa selten ist.

Die Granitstein-Terrassen über der Donau sind teilweise 1000 Jahre alt. Auf ihnen wachsen die Sorten, die der Region ihren Ruf gegeben haben: Grüner Veltliner und Riesling. Beide gehen mit der Marille zusammen, die hier seit dem 18. Jahrhundert kultiviert wird und die zweite Visitenkarte ist.

Stift Melk: Bibliothek und Kaiserstiege

Stift Melk steht auf einem Felsen über der Donau und sieht von außen größer aus als von innen. Die Stiftsführung dauert etwa 60 Minuten, ohne Führung geht es schneller, aber dann fehlt der Kontext.

Drei Räume sind unverzichtbar: die Kaiserstiege als Eingang in den Festtrakt, der Marmorsaal mit dem Holz-Trick (die Säulen sehen aus wie Marmor, sind aber Holz mit Lasurtechnik), und die Bibliothek mit gedrehten Globen und dem zweiten Deckenfresko von Paul Troger. Die Stiftskirche selbst ist Standard-Barock, sehr gut gemacht, aber kein eigenes Reiseziel.

Was lassen lässt: die Stiftsspielzeugsammlung im Untergeschoss, die nur zu bestimmten Sonderzeiten geöffnet ist. Wer keine besondere Vorliebe für Habsburger Kinder-Puppenhäuser hat, geht statt dessen schneller in den Stiftspark.

Parken in Melk ist im Hauptort etwas mühsam. Direkt am Stift sind die Plätze schnell voll, weiter unten am Bahnhof gibt es Reserve.

Schifffahrt oder Auto: was Sinn macht

Die DDSG-Donauschiffahrt fährt zwischen Melk und Krems mehrfach täglich. Fahrtdauer in beide Richtungen unterschiedlich: stromabwärts (Melk nach Krems) etwa 90 Minuten, stromaufwärts 110. Wer mit dem Auto kommt, parkt in Melk und fährt einseitig mit dem Schiff nach Krems, dann mit der Wachau-Linie Bahn oder Bus zurück.

Variante Auto: alles selbst fahren. Vorteil: Stopps in Spitz, Weißenkirchen, beim Marillen-Hof. Nachteil: weniger Donau, mehr Asphalt. Wer das erste Mal in der Wachau ist, sollte einen Teilabschnitt mit dem Schiff machen, allein um die Perspektive von der Donau aus zu haben.

Dürnstein: blaue Kirche und Burg

Dürnstein ist mit 800 Einwohnern die wahrscheinlich meistfotografierte 200-Meter-Donaupromenade Österreichs. Die Stiftskirche mit dem himmelblauen Turm ist Postkartenmotiv Nummer eins.

Der Aufstieg zur Burgruine dauert 25 bis 30 Minuten und ist steil. Hier saß Richard Löwenherz 1192 in Gefangenschaft, nachdem ihn Leopold V. unterwegs vom Dritten Kreuzzug entführt hatte. Wer den Aufstieg macht, hat oben eine Aussicht über die Wachau, die das Weglassen der Burg fast unmöglich macht.

In Dürnstein selbst gibt es ein knappes Dutzend Heuriger und Restaurants, die alle Marillenknödel servieren. Wer noch nie welche probiert hat, kommt hier auf seine Kosten. Die Hauptstraße ist Fußgängerzone, das macht das Bummeln entspannt.

Krems: Steiner Tor und Kunsthalle

Krems ist nicht klassische Wachau-Kulisse, sondern eine eigene Stadt. Das Steiner Tor von 1480 ist Wahrzeichen, dahinter die Fußgängerzone mit Cafés und Boutiquen.

Wer Kunst will, geht zur Kunsthalle Krems am Donauufer. Wechselausstellungen, oft moderne Klassiker, kombiniert mit dem Karikaturmuseum nebenan, das von Manfred Deix bis Gerhard Haderer eine eigene Sammlung hat. Beide zusammen sind ein Halbtag.

Wer keine Lust auf Kunst hat, kann den Tag in Krems beim Sandl-Heuriger ausklingen lassen. Stadtbus oder zu Fuß vom Hauptplatz.

Marillenknödel: das essenswerte Wachau-Souvenir

Die Wachauer Marille hat Geschützte Ursprungsbezeichnung. Marillenknödel sind in jedem zweiten Lokal auf der Karte, Qualität schwankt. Faustregel: Knödel mit Topfenteig (nicht Kartoffelteig) sind die klassische Variante, Marille muss ganz im Inneren liegen, Bröselbutter darüber.

Im Juli und August ist Saison, dann gibt es überall frische Marillen, Marillenmarmelade, Marillenlikör. Außerhalb der Saison wird das alles auch verkauft, aber mit Tiefkühlware oder Vorrat gemacht.

In der Nähe

Wer einen Tag länger hat, geht zur Burgruine Aggstein zwischen Melk und Dürnstein - dramatischere Lage, weniger Touristen. Oder zur Semmeringbahn, die ähnlich UNESCO-bedeutsam und ähnlich landschaftlich ist, aber im Süden Niederösterreichs. Wer ins Stift-Thema einsteigt, fährt nach Stift Melk für die ausführliche Variante.