Wiener Kaffeehäuser im Vergleich: Sacher, Demel, Central, Hawelka, Landtmann

Fünf legendäre Wiener Kaffeehäuser, ehrlich verglichen. Wo wirklich die beste Sachertorte serviert wird, wo man in Ruhe lesen kann und wo Touristen unter sich bleiben.

Wien hat seit 2011 eine UNESCO-Anerkennung für seine Kaffeehauskultur. Welche Häuser dieser Anerkennung tatsächlich gerecht werden, lässt sich nur vor Ort herausfinden - und mit ein bisschen Aufmerksamkeit für Details. Fünf Adressen, fünf sehr unterschiedliche Charaktere, und das günstige Gerücht, dass alles dasselbe sei, hält nicht stand.

Café Sacher: das Lehrbuch-Erlebnis

Das Café im Hotel Sacher hinter der Oper ist die berühmteste Adresse. Es serviert die Original-Sachertorte mit dem Sacher-Brief, hat samtige Stühle in der Farbe der Torte und am Eingang einen Concierge, der weiß, dass viele zum ersten Mal hier sind.

Die Sachertorte schmeckt wie überall Sachertorte: süß, schokoladig, mit Aprikose. Was zählt, ist die Inszenierung. Wer einmal in Wien sein will, geht hier hin, isst eine Torte, trinkt einen Verlängerten und ist Teil des Programms. Wer schon zum dritten Mal in Wien ist, geht woanders hin.

Reservierung ist nicht nötig, aber im Sommer steht man 20 Minuten an. Preise sind, sagen wir, salzburgisch.

Demel: die k.u.k.-Konditorei mit Glasvitrinen

Demel am Kohlmarkt war jahrelang Hofzuckerbäcker und hat das ältere Recht auf eine “Demel-Torte”, die viele für die eigentliche Sachertorten-Konkurrentin halten. Im Schaufenster werden seit Generationen Pralinen, Marzipan-Figuren und Petits Fours arrangiert wie in einem Mineralien-Kabinett.

Drinnen sieht es nach den 1880er Jahren aus, und das ist kein Designentscheid, sondern Original-Substanz. Die Bedienung trägt Tracht, der Service ist freundlich und unaufgeregt. Wer Mehlspeisen in Wien wirklich probieren will, kommt hierher, nicht zu Sacher.

Mittags füllt sich Demel mit japanischen Reisegruppen. Um 16 Uhr wird es wieder still.

Café Central: Trotzki, Freud und die Touristenschlange

Das Café Central in der Herrengasse hat die schönste Architektur der fünf: Marmorsäulen, Kreuzgewölbe, Pianist im Hintergrund. Hier saßen Trotzki, Freud, Adolf Loos, Peter Altenberg. Die Altenberg-Figur am Eingang ist heute Selfie-Magnet.

Genau das ist das Problem. Vor der Tür steht oft eine Schlange, drinnen sitzt man eng, der Service ist effizient, aber gehetzt. Wer Wiener Moderne lesen will, kommt unter der Woche um 9:30, vor dem Tourismus-Schub. Frühstück ist hier ein eigenes Erlebnis und legt die Latte hoch.

Eine seltsame Mischung: hervorragender Kaffee, gute Mehlspeisen, ein Raum, der Geschichte ausstrahlt, und doch fühlt es sich an wie ein Museum mit Bedienung.

Café Hawelka: das Wohnzimmer der Wiener Künstler

Die Hawelka in der Dorotheergasse ist dunkler, kleiner, voller, lauter. Stühle sind ramponiert, Tische zerkratzt, an der Wand hängen Plakate aus 60 Jahren. Hier saßen H. C. Artmann, Helmut Qualtinger, Friedensreich Hundertwasser.

Die Buchteln, ab 22 Uhr serviert, sind seit Jahren das Wahrzeichen des Hauses. Frau Hawelka hat sie bis ins hohe Alter selbst gebacken, heute übernehmen das Familie und Personal. Wer einmal hier war, weiß warum die Hawelka das ist, was man eigentlich mit Wiener Kaffeehaus meint, wenn man die Romantik dahinter sucht.

Nichts ist schick, nichts inszeniert. Genau das ist der Punkt.

Café Landtmann: wo Politik gemacht wird

Das Landtmann am Universitätsring ist Politiker-Lokal. Bundeskanzler, Universitätsprofessoren, Burgtheater-Schauspieler. Wer das gerne mitbekommt, sitzt in einer der hinteren Ecken und schaut, wer hereinkommt.

Architektonisch das eleganteste der fünf, mit Wintergarten zur Ringstraße. Frühstück ist hervorragend, das Tagesmenü solide, die Mehlspeisen Standard. Die Bedienung ist klassisch Wiener: höflich, leicht distanziert, schnell.

Das Landtmann ist das Haus, in dem man den Tag nach einem Termin oder vor einer Vorstellung im Burgtheater verbringt.

Was alle fünf gemeinsam haben

Trinkgeld 5 bis 10 Prozent, je nach Service. Bestellung läuft über die Karte, nicht über Empfehlungen der Bedienung. Wasser wird kostenlos zum Kaffee serviert, das ist Pflicht, kein Bonus. Wer einmal sitzt, kann sitzen bleiben, niemand drängt zum Aufstehen, sofern keine Schlange wartet.

Die Karte ist überall dreisprachig, das spricht für Tourismus-Realität. WLAN gibt es in allen fünf, in manchen ist es schneller als in anderen, das hat keinen Zusammenhang zur Geschichte des Hauses.

In der Nähe besuchen

Wer schon im Innenstadtbereich ist, hat ein paar Adressen quasi auf dem Weg. Der Stephansdom ist von der Hawelka in zwei Minuten erreichbar. Das MuseumsQuartier für eine Schiele-Sammlung liegt zwei Stationen mit der U2. Und für die Konditoreikonkurrenz lohnt der direkte Vergleich von Sachertorte und Imperial-Torte.