Stephansdom in Wien: Pummerin, Katakomben und Domgrabungen in einem Besuch

Wie man den Stephansdom richtig besucht: Südturm zu Fuß, Nordturm mit Lift, Katakomben mit Führung und die wenig bekannten Domgrabungen. Zeit- und Kostenplan für zwei Stunden.

Der Stephansdom ist mehr als das Dachmuster auf den Postkarten. Vier Bereiche sind einzeln zugänglich, und der Plan, in welcher Reihenfolge man sie macht, entscheidet, ob man zwei Stunden oder einen halben Tag braucht. Das Hauptschiff ist gratis, alle anderen Bereiche kosten extra, und die Tickets stehen nicht alle am selben Schalter.

Warum der Stephansdom überhaupt da steht

Die Pfarrkirche St. Stephan wurde 1147 geweiht, als Wien noch außerhalb der Mauern lag. Heute steht der Dom im Zentrum einer Fußgängerzone, und das verzerrt den Maßstab. Wer auf den Stephansplatz tritt, sieht 137 Meter Höhe ohne Abstand zu bekommen. Den eigentlichen Eindruck bekommt man erst auf dem Südturm oder von außen aus der Distanz, etwa vom Hochhaus Herrengasse aus.

Das Dach wurde 1945 zerstört, das jetzige Muster wurde in den 50er Jahren rekonstruiert. Die 230.000 Ziegeln sind privat finanziert worden, jeder Spender hat eine Ziegel mit seinem Namen bekommen.

Hauptschiff: was gratis ist, was nicht

Eintritt frei für den Bereich hinter dem Eingang bis zum Querschiff. Für das Mittelschiff Richtung Hauptaltar braucht man Ticket. Audio-Guide ist extra zu buchen und lohnt sich, weil das Kanzlergrab, die Wiener Neustädter Altar und der Friedrich-III.-Sarkophag ohne Erklärung wenig sagen.

Die Kapellen rechts und links sind einzeln nicht zugänglich, gehören aber zum Standard-Ticket. Die Tirna-Kapelle mit dem Marienaltar ist die ruhigste Ecke des Doms.

Südturm: 343 Stufen ohne Lift

Der Südturm ist der hohe der zwei, 136,7 Meter. Hinaufkommt man nur zu Fuß über die schmale Wendeltreppe in der Türmerstube. 343 Stufen, keine Lift, einbahn. Wer in der Mitte schlapp macht, blockiert allen anderen den Weg.

Die Aussichtsplattform ist auf 72 Metern, knapp die Hälfte der Turmhöhe. Eine Glaswand schützt vor dem Wind, das Schauen geht über und durch die Glasziegelungen.

Wer in den Süden geht, bekommt das Original. Wer den Nordturm nimmt, bekommt die Pummerin.

Nordturm: mit Aufzug zur Pummerin

Der Nordturm wurde nie fertiggestellt - mit 68 Metern ist er etwa halb so hoch wie sein Bruder. Dafür gibt es einen Aufzug, was den Aufstieg auch für Knie-Geplagte ermöglicht.

Oben hängt die Pummerin, mit 20 Tonnen die schwerste Glocke Österreichs. Sie läutet zwölfmal im Jahr, im Wesentlichen zu Silvester und an Hochfesten. Wer hochfährt, sieht die Glocke aus zwei Meter Distanz, was beeindruckend ist, weil die Pummerin größer wirkt als jede Foto vermitteln kann.

Aussicht ist hier 360 Grad und ungeschützt durch Glaswände.

Katakomben: nur mit Führung

Die Katakomben sind die unterirdische Erweiterung des Doms aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Hier wurden Wiener begraben, bis Joseph II. das 1783 verbot, weil ihm die hygienische Lage missfiel.

Die Tour zeigt das Habsburger-Eingeweideerbgewölbe (ja, das gibt es: Herz und Eingeweide einiger Habsburger sind hier, während die Körper in der Kapuzinergruft liegen), die Bischofs-Gruft und eine Sammlung von Knochen, die nach der Schließung des Pestfriedhofs hier eingelagert wurden.

Touren laufen alle 30 Minuten in der Hauptsaison, etwa stündlich im Winter. Tickets gibt es vor Ort, nicht online.

Praktischer Tagesplan und Tickets

Wer alle vier Bereiche sehen will, braucht ein Kombi-Ticket. Das spart gegenüber Einzelpreisen, ist aber nur sinnvoll, wenn man alles wirklich sehen will. Die Domgrabungen unter dem Stephansplatz sind ein eigener Bereich mit eigenem Eingang - leicht zu übersehen, wenn man kein Hinweisschild gesucht hat.

Realistische Zeit:

  • Hauptschiff mit Audio-Guide: 45 Minuten
  • Südturm: 30 Minuten (inkl. Aufstieg)
  • Nordturm Pummerin: 15 Minuten
  • Katakomben-Führung: 30 Minuten
  • Domgrabungen: 20 Minuten

Macht zusammen gut zwei Stunden ohne Pausen.

In der Nähe

Nach dem Dom geht man zwei Minuten zum Café Hawelka oder einem der anderen Wiener Kaffeehäuser in der Dorotheergasse. Der Graben als Fußgängerzone schließt direkt vor dem Dom an und führt zum Kohlmarkt mit der Konditorei Demel. Wer eine andere Wiener Kirche dazunehmen will, die meiste Aussicht für den Eintritt bietet, fährt vier U-Bahn-Stationen zur Karlskirche mit Panorama-Lift.