Kapuzinergruft Wien: Die Kaisergruft der Habsburger im Überblick
Kapuzinergruft Wien alias Kaisergruft: wer dort liegt, was der Eintritt kostet und warum Herz, Eingeweide und Körper der Habsburger getrennt bestattet wurden.
Unter der Kapuzinerkirche am Neuen Markt in Wien liegt die Kapuzinergruft: offiziell benannt nach dem Bettelorden, der die Anlage seit 1633 betreut. Touristisch hat sich ein zweiter Name durchgesetzt, Kaisergruft Wien, weil hier über 150 Mitglieder des Hauses Habsburg begraben liegen - Maria Theresia, Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi. Beide Namen meinen dasselbe Gewölbe. Eintritt kostet 15 Euro, ein Rundgang dauert je nach Tempo eine halbe Stunde, und wenige Orte in Wien packen so viel Geschichte auf so wenig Fläche.
Manchmal taucht auch die Schreibweise Kapuziner Gruft als zwei Wörter auf, in Reiseblogs oder auf Wegweisern falsch getrennt. Gemeint ist immer dasselbe: die Grablege unter der Kirche am Neuen Markt, keine zwei verschiedenen Orte.
Wer die Anlage betritt, merkt schnell den Unterschied zu einem Museum. Es ist eine aktive Grabstätte, kein Ausstellungsraum mit Vitrinen und Erklärtafeln an jeder Ecke. Entsprechend zurückhaltend verhalten sich die meisten Besucher von selbst, leise Stimmen, kaum Gedränge, auch wenn draußen am Neuen Markt der Wiener Alltag weiterläuft. Genau dieser Kontrast, laute Innenstadt oben, stille Kaisergrüfte darunter, macht einen Teil der Wirkung aus.
Kapuzinergruft auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Öffnungszeiten | täglich 10:00-18:00 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr |
| Sonderöffnungszeiten | 24./31. Dez. 10-16 Uhr, 1. Jan. 12-18 Uhr, 1./2. Nov. 10-14 Uhr (nur stiller Besuch, keine Gruppen) |
| Eintritt Erwachsene | 15 € |
| Eintritt Jugend (6-18 Jahre) | 8 € |
| Eintritt ermäßigt (Senioren, Studierende < 27, Menschen mit Behinderung) | 13 € |
| Führung | 21 € Erwachsene / 19 € ermäßigt / 14 € Jugend |
| Anzahl Bestatteter | über 150 Mitglieder des Hauses Habsburg |
| Adresse | Tegetthoffstraße 2, Neuer Markt, 1010 Wien |
| Anfahrt | U1/U3 Stephansplatz oder U1 Karlsplatz, kurzer Fußweg zum Neuen Markt |
| Barrierefreiheit | Aufzug zu den Grufträumen vorhanden; Franz-Josephs-Gruft und Gruftkapelle je 2 Stufen; Behinderten-WC vor Ort |
Ein Familienticket gibt es laut aktueller Preisliste nicht, Familien zahlen die Einzelpreise pro Person. Wer nur den freien Rundgang macht, ist mit Wartezeit meist unter einer Stunde wieder draußen.
Zur Barrierefreiheit im Detail: Ein Aufzug bringt Rollstuhlfahrer zu den Grufträumen, nur die Franz-Josephs-Gruft und die Gruftkapelle haben je zwei Stufen, die sich nicht umgehen lassen. Eine Behindertentoilette mit Euroschloss und 85 Zentimeter breiter Tür steht zur Verfügung, Assistenzhunde mit entsprechendem Nachweis sind erlaubt. Für Kinder zwischen 7 und 13 Jahren gibt es eigene Familienführungen, allerdings nur mit vorheriger Reservierung.
Warum es die Gruft gibt: 1633 bis heute
Die Habsburger bestatteten ihre Toten nicht in einem Stück. Nach altem Hofzeremoniell wurde der Körper getrennt: das Herz kam in die Augustinerkirche, die Eingeweide in den Stephansdom, und nur der Leib in die Kapuzinergruft. Diese Dreiteilung klingt heute befremdlich, war aber über Jahrhunderte fixer Bestandteil kaiserlicher Bestattungen und erklärt, warum drei verschiedene Wiener Kirchen jeweils einen Teil derselben Person aufbewahren.
Den Anstoß zur Gründung gab Kaiserin Anna, Ehefrau Kaiser Matthias’. Sie stiftete Geld für ein Kapuzinerkloster am Neuen Markt, mit einer Gruft für sich und ihren Mann darunter. Als sie 1618 starb, war der Bau noch nicht fertig; erst 1633 wurde die Gruft geweiht, und Matthias und Anna waren die ersten beiden Habsburger, die dort beigesetzt wurden. Von diesem bescheidenen Anfang aus wuchs die Anlage über gut drei Jahrhunderte Raum um Raum: Leopoldsgruft, Karlsgruft, Maria-Theresien-Gruft, Franzensgruft, Ferdinandsgruft, Toskanagruft, Neue Gruft und zuletzt die Franz-Josephs-Gruft, jede im Baustil ihrer Entstehungszeit. Manche Räume sind schlicht und funktional, andere, wie die Maria-Theresien-Gruft, barock überladen bis in die letzte Ecke. Wer durchgeht, läuft durch drei Jahrhunderte Habsburger Geschichte, ohne die Kirche über der Gruft überhaupt zu betreten.
Wer liegt in der Kapuzinergruft?
Über 150 Habsburger insgesamt, doch nur eine Handvoll Namen kennt man auch außerhalb von Geschichtsbüchern. Diese sind über offizielle und unabhängige Quellen gut belegt:
| Name | Lebensdaten | Besonderheit |
|---|---|---|
| Maria Theresia | 1717-1780 | Doppelsarkophag mit ihrem Mann, Rokoko, von Balthasar Ferdinand Moll |
| Franz I. Stephan von Lothringen | 1708-1765 | teilt den Doppelsarkophag mit Maria Theresia, beide einander zugewandt |
| Franz Joseph I. | 1830-1916 | letzter hier bestatteter regierender Kaiser, Franz-Josephs-Gruft |
| Kaiserin Elisabeth (“Sisi”) | 1837-1898 | liegt neben Franz Joseph I. in der Franz-Josephs-Gruft |
| Kronprinz Rudolf | 1858-1889 | liegt bei seinen Eltern, ebenfalls Franz-Josephs-Gruft |
Weitere Habsburger liegen in den älteren Grufträumen wie der Leopoldsgruft oder der Karlsgruft, zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert. Eine vollständige Liste aller über 150 Bestatteten würde jeden Rundgang sprengen und ist ohnehin nur mit dem gedruckten Gruftplan vor Ort sinnvoll nachzuvollziehen - viele der frühen Namen sind selbst Historikern nur über Spezialliteratur geläufig.
Der Doppelsarkophag Maria Theresias
Der aufwendigste Sarkophag der gesamten Gruft steht in der Mitte der Maria-Theresien-Gruft: ein Rokoko-Monument, das Balthasar Ferdinand Moll zwischen 1753 und 1754 schuf, während Maria Theresia noch lebte. Die Kaiserin und ihr Mann Franz I. Stephan liegen darauf nicht flach und ernst wie sonst üblich, sondern sitzen aufrecht, einander zugewandt, als würden sie sich gerade unterhalten. Um den Sockel herum drängen sich Putten, Trauerfiguren und Wappen; kein anderer Sarkophag hier kommt an diese Dichte an Ornament heran.
Als Maria Theresia 1780 starb, wurde ihr Platz im bereits fertigen Monument einfach ergänzt. Genau diese Vorausplanung, ein gemeinsames Denkmal für den eigenen Tod in Auftrag zu geben, während beide noch regierten, macht den Sarkophag zu mehr als nur Kunsthandwerk. Kein anderes Grabmal der Anlage zeigt ein Herrscherpaar so eindeutig als Paar, nicht als zwei getrennte Repräsentationsfiguren nebeneinander.
Wer den Rundgang macht, erkennt die Maria-Theresien-Gruft schon von Weitem an der schieren Größe des Monuments - die übrigen Grufträume wirken daneben fast bescheiden, selbst die deutlich jüngere Franz-Josephs-Gruft.
Die Zeremonie “Anklopfen”: wie ein Habsburger bestattet wurde
Kein anderes europäisches Herrscherhaus hat ein vergleichbar dramatisches Bestattungsritual überliefert. Wenn der Sarg eines Habsburgers vor der Klosterpforte der Kapuziner ankam, klopfte der Zeremonienmeister an. Von innen fragte ein Kapuziner: “Wer begehrt Einlass?” Der Zeremonienmeister antwortete mit der vollständigen Titelkette des Verstorbenen, Kaiser, König, Erzherzog, sämtliche Landestitel aufgezählt. Die Antwort der Kapuziner: Sie kennen diese Person nicht.
Erst beim zweiten Versuch, meist mit reduzierten Titeln, und spätestens beim dritten Anklopfen mit der Formel, hier stehe “ein sterblicher, sündiger Mensch”, öffnete sich die Tür. Der Sinn dahinter ist unmissverständlich: Vor dem Tod zählt kein Titel, kein Reich, keine Krone. Die Zeremonie wurde bis ins 20. und 21. Jahrhundert bei Habsburger Beisetzungen praktiziert und gilt als eine der eindrücklichsten Traditionen der Habsburger Hofkultur überhaupt. Kein anderer Wiener Ort erzählt diese Geschichte in vergleichbarer Ausführlichkeit.
Der genaue Wortlaut variiert von Quelle zu Quelle leicht, der Kernablauf aber bleibt in allen Überlieferungen gleich: dreimaliges Anklopfen, dreimal eine andere Antwort, erst die dritte öffnet die Pforte. Reiseführer erwähnen das Ritual oft in einem Nebensatz. Wer die Kapuzinergruft besucht und die Geschichte kennt, sieht die unscheinbare Klosterpforte gleich neben dem Eingang mit anderen Augen.
Öffnungszeiten, Eintritt und Führung im Detail
Die Kaisergruft Wien ist ganzjährig geöffnet, täglich von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass um 17:30 Uhr. Ausnahmen gelten an wenigen Tagen im Jahr: Heiligabend und Silvester schließt die Gruft schon um 16 Uhr, am Neujahrstag öffnet sie erst um 12 Uhr, und am 1. und 2. November, Allerheiligen und Allerseelen, ist nur ein stiller Besuch ohne Gruppen zwischen 10 und 14 Uhr möglich.
Wer mehr als den freien Rundgang will, bucht eine geführte Tour: auf Deutsch täglich um 14:00 und 15:30 Uhr, auf Englisch montags, mittwochs und samstags um 15:00 Uhr. Die Tour kostet 21 Euro für Erwachsene, 19 Euro ermäßigt und 14 Euro für Jugendliche.
Die Adresse lautet Tegetthoffstraße 2 am Neuen Markt, mitten in der Wiener Innenstadt, keine zehn Gehminuten vom Stephansdom entfernt. Wer die Kapuzinergruft Wien mit der U-Bahn ansteuert, kommt aus fast jeder Richtung gut an: von Praterstern mit der U1 bis Stephansplatz, vom Westbahnhof mit der U3 bis Stephansplatz, vom Hauptbahnhof mit der U1 bis Karlsplatz. Von allen drei Stationen bleibt nur ein kurzer Fußweg über den Neuen Markt.
Kaisergruft und Stephansdom-Katakomben: zwei Teile derselben Geschichte
Wer die Herz-Eingeweide-Leib-Aufteilung der Habsburger Bestattung verstehen will, kommt an einem zweiten Ort nicht vorbei: den Stephansdom-Katakomben mit der Herzogsgruft. Dort liegen die Eingeweide vieler Habsburger in eigenen Kupfergefäßen, eine der drei Stationen, die zusammen erst die vollständige Bestattung ergeben. Die dritte Station, die Herzgruft in der Augustinerkirche, liegt nur wenige Gehminuten entfernt und ist eigentlich der emotionalste Teil der drei, auch wenn sie touristisch am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt. Die Kapuzinergruft zeigt nur ein Drittel der Geschichte, aber das sichtbarste und meistbesuchte Drittel.
Wer beide Stationen an einem Tag verbinden will, plant realistisch zwei bis drei Stunden ein: eine knappe Stunde hier am Neuen Markt, eine weitere für die Katakomben unter dem Stephansdom, dazu Fußwege zwischen den beiden Plätzen von wenigen Minuten.
Für den größeren Zusammenhang unterirdischer Orte in der Stadt lohnt ein Blick auf Unterirdisches Wien / Katakomben, wo die Kapuzinergruft eine von mehreren Stationen ist. Und wer weitere Kultur- und Naturziele in Wien und Österreich sucht, findet sie auf der Startseite von Österreich - Oben und Unten oder direkt auf der Regionsseite Wien.
Stand: Juli 2026. Preise und Öffnungszeiten nach offiziellen Angaben von kaisergruft.com.
Häufige Fragen
- Wer liegt in der Kapuzinergruft?
- Über 150 Mitglieder des Hauses Habsburg, darunter Maria Theresia und ihr Mann Franz I. Stephan im gemeinsamen Doppelsarkophag, Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth ("Sisi") und Kronprinz Rudolf. Die drei Letztgenannten liegen zusammen in der Franz-Josephs-Gruft.
- Was ist der Unterschied zwischen Kapuzinergruft und Kaisergruft?
- Keiner. Beide Namen meinen dasselbe Bauwerk unter der Kapuzinerkirche am Neuen Markt. "Kapuzinergruft" ist der offizielle Name, benannt nach dem Kapuzinerorden, der die Gruft seit 1633 betreut. "Kaisergruft Wien" ist der touristische Name, unter dem sie heute die meisten Besucher suchen und buchen.
- Was kostet der Eintritt in die Kapuzinergruft?
- 15 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren, 13 Euro ermäßigt für Senioren, Studierende unter 27 und Menschen mit Behinderung. Für eine geführte Tour gelten eigene Preise: 21 Euro (Erwachsene), 19 Euro (ermäßigt), 14 Euro (Jugendliche). Ein Familienticket bietet die Anlage nicht an.
- Wie lange dauert ein Besuch der Kapuzinergruft?
- Eine offizielle Zeitangabe gibt es nicht, aber die Anlage ist überschaubar und liegt komplett auf einer Ebene. Für den freien Rundgang reicht meist eine halbe Stunde. Deutsche Führungen finden täglich um 14:00 und 15:30 Uhr statt, englische Montag, Mittwoch und Samstag um 15:00 Uhr.
- Was ist die "Anklopfen"-Zeremonie?
- Das traditionelle Bestattungsritual der Habsburger vor der Klosterpforte der Kapuziner. Der Zeremonienmeister klopft an, ein Kapuziner fragt von innen "Wer begehrt Einlass?" - die Antwort mit allen kaiserlichen Titeln wird abgewiesen. Erst wenn der Zeremonienmeister sagt, es sei "ein sterblicher, sündiger Mensch", öffnet sich die Tür.
- Liegt Kaiserin Sisi in der Kapuzinergruft?
- Ja. Kaiserin Elisabeth wurde nach ihrer Ermordung 1898 zunächst in der Ferdinandsgruft beigesetzt und später in die Franz-Josephs-Gruft überführt, wo sie heute neben ihrem Mann Franz Joseph I. und Sohn Rudolf liegt.